Stolpersteine für die vertriebene jüdische Gemeinde Güssing

Bereits im Jahr 2019 hat sich die damals neu gegründete Güssinger Historische Gesellschaft der Vermittlung der jüdischen Geschichte sowie einer Belebung der Erinnerungs- und Gedenkkultur in Güssing angenommen. In einem ersten Schritt sollte der bis 1938 in Güssing lebendigen jüdischen Gemeinde gedacht werden, an die bis dato nur eine Gedenktafel am Rathaus sowie der künstlich neu angelegte jüdische Friedhof am Stadtrand erinnert.

Der gf. Obmann der GHG, Prof. Dr. Michael Hammer, nahm sich des Projekts an. Schließlich wurde am 9. November 2021, anlässlich des 83. Jahrestages der Reichspogromnacht, am Hauptplatz in Güssing eine feierliche Gedenkveranstaltung begangen, die u.a. auch Schülerinnen und Schüler des BORG Güssing mitgestalteten. Im Zuge dieses Ereignisses wurden die ersten sogenannten Stolpersteine im Burgenland verlegt.

Zweite Verlegung von Stolpersteinen

Am 28. November 2025 wurden in Güssing zum zweiten Mal Stolpersteine verlegt. Mit den nun neu gesetzten Steinen gibt es insgesamt 20 Stolpersteine in Güssing, die an Menschen erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Jede der kleinen Messingtafeln im Gehsteig trägt einen Namen und macht damit individuelle Schicksale im öffentlichen Raum sichtbar.
Die zweite Stolpersteinverlegung ergänzte zwei bereits bestehende Standorte und fügte einen neuen in der Grabenstraße hinzu. Folgenden Personen wurde je ein Stolperstein verlegt:

• Renée und Alice Latzer in der Pater Gratian Leser-Straße 4

• Helene und Nikolaus Latzer in der Pater Gratian Leser-Straße 6

• Familie Rothstein am neuen Standort in der Grabenstraße 9: Samuel, Rosa, Anton, Berth („Béla“), Sophie und Arnold Rothstein

Die Verlegung wurde von der Güssinger Historischen Gesellschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Hammer organisiert und durchgeführt. Die Güssinger Historische Gesellschaft dankt dem Land Burgenland für die finanzielle Förderung des Projekts.



 

Diese Mahnmale erinnern an die Schicksale folgender Jüdinnen und Juden:

  • Jakob und Ida Grünfeld (Hauptplatz 7)

  • Anna Lagler (Hauptstraße 1)

  • Oskar und Piroska Mayer (Hauptstraße 4)

  • Leopold und Helene Latzer, Aladar und Elsa Latzer, Renée und Alice Latzer (Pater Gratian Leser-Straße 4)

  • Samuel Latzer, Helene und Nikolaus Latzer (Pater Gratian Leser-Straße 6)

  • Familie Rothstein: Samuel, Rosa, Anton, Berth („Béla“), Sophie und Arnold Rothstein (Grabenstraße 9)

Schülerinnen und Schüler des BORG Güssing beschäftigten sich im vorbereitenden Projekt mit den ausgewählten Personen und verfassten Kurzbiographien.

Zu den Kurzbiographien
 

Die Idee der Stolpersteine als Mahn- und Erinnerungsmal geht auf den deutschen Künstler Gunter Demnig zurück, dessen Kunstprojekt mit mittlerweile annähernd 80.000 weltweit verlegten Stolpersteinen zum vielzitierten „größten dezentralen Mahnmal der Welt“ wurde. Güssing ist die erste Gemeinde des Burgenlandes, in der diese Stolpersteine verlegt wurden.

Stolpersteine Für Jakob und Ida Grünfeld (Foto: Muik, 2021)

 Gedenkpatinnen und Gedenkpaten

Da Erinnerungs- und Gedenkkultur von Personen lebt, die sich aktiv engagieren, wurden für die zehn Stolpersteine je eine Gedenkpatenschaft ausgelobt. Folgende Personen haben eine solche Patenschaft für die erste Stolpersteinverlegung übernommen:

  • Verena DUNST, Präsidentin zum bgld. Landtag

  • Vinzenz KNOR, Bürgermeister Güssing

  • Alois MONDSCHEIN, Vizebürgermeister Güssing

  • Walter TEMMEL, Abgeordneter zum bgld. Landtag

  • Roland FÜRST, Abgeordneter zum bgld. Landtag

  • Wolfgang SPITZMÜLLER, Abgeordneter zum bgld. Landtag

  • Josef HERBST

  • Thomas KÖNIG

  • Die Franziskaner des Konvents Güssing

  • Die Schulgemeinschaft des BORG Güssing

Die Güssinger Historische Gesellschaft bedankt sich bei allen Gedenkpatinnen und -paten und Spenderinnen und Spendern. Die GHG bereitet derzeit weitere Stolpersteinverlegungen für die zahlreichen Güssinger Opfer des Nationalsozialismus vor. Mit einer Spende oder der Übernahme einer Gedenkpatenschaft kann die ehrenamtliche Arbeit unterstützt werden.

Bitte nehmen Sie hierfür Kontakt über folgende Mail-Adresse auf:

kontakt@g-h-g.at

 

 Eindrücke von der Gendenkveranstaltung am 09.11.2021